Träume...
Nun habe ich mich endlich dazu durchgerungen, ein Traumtagebuch zu führen.
Träume sind komische Dinge. Die einen durchleben sie und wissen hinterher nichts mehr davon; die anderen können sich noch den ganzen Tag erinnern, lassen eventuell sogar ihre Gefühle dadurch beeinflussen.
Ich gehöre zu Typ II. Ich erinnere mich meistens lebhaft an meine Träume und wenn ich ein super Programmierer oder Autor wäre, dann hätte ich wohl schon etliche Bücher oder Spiele auf Grund meiner Träume erstellen können.
Zu heute:
Im Allgemeinen drehen sich meine Träume um mich und meine Familie. Meistens hat es mit Weltuntergang zu tun. Die prägnantesten Stellen spielen sich wohl so eine halbe Stunde vor Aufwachen ab. An die REM Phasen in der Nacht erinnere ich mich meistens auch nicht mehr, obwohl es einem natürlich so vorkommt, als hätte man die ganze Nacht nichts anderes geträumt.
Es ist ein schöner Tag im Sommer und ich bin an unserem alten Haus, am Wald. Ich gehe den Pfad entlang, zwischen den Fischteichen hindurch, am Bach entlang und halte Ausschau nach Forellen, so wie ich das immer mache. Meine Mutter läuft neben mir, wir gehen ins Dorf und unterhalten uns. Ich erzähle ihr, während wir über verschiedene Brücken laufen, die neu gebaut wurden und eigentlich bei unserem Bach völlig überflüssig wären, dass meine Freundin einen Freund hat - endlich! Sie ist schon sehr lange allein und ich freue mich für sie. Plötzlich bricht die Hölle los und unser Stahlwerk explodiert wie ein Vulkan. Man kann es am Horizont sehen, auch wenn die Richtung in Wirklichkeit nicht stimmt. Dennoch ist es atemberaubend, rot und schwarz sprüht gen Himmel und verdunkelt die Sonne. In Sekundenbruchteilen stürmen die Menschen los Richtung Schule. Ob das helfen wird? Die Schule liegt näher als gedacht, aber im Traum vergleicht man nicht immer mit der realen Welt. Neben mir laufen nun alle Familienmitglieder, mein Bruder, mein Vater, meine Mutter, auch mein Freund ist da. Wir laufen um unser leben während um uns herum Brocken einschlagen und Menschen schreien. Endlich kommen wir an der Schule an. Es ist meine ehemalige O-Stufe. Komischerweise ist alles abgeriegelt, wir kommen hinein, doch nicht mehr hinaus. Mehrere Menschen halten sich dort auf und sind wohl auch schon länger da. Mama und Papa wollen warten, was passiert, doch mir kommen die Männer mit ihren Gewehren komisch vor. Hinter einem Glasbau sitzen Wissenschaftler und Computerspezialisten. Sie tüfteln an irgendetwas. Das möchte sich mein Freund, der davon Ahnung hat, gern ansehen. Währenddessen gehen mein Bruder und ich auf Erkundungstour, wie man aus dem Bau wieder herauskommen kann. Draußen geht die Welt unter, aber immer noch besser zusammensterben als eingepfercht sein. Ich liebe meine Freiheit! Wir finden mehrere Treppen und Gänge, müssen uns immer wieder dumm stellen um nicht aufzufallen. Doch nichts führt hinaus. Mama und Papa gehen wieder zum großen Raum zurück während ich noch etwas weiter suche. Plötzlich finde ich eine Tür, deren Sicherheitsverkleidung sich auseinander ziehen lässt. Ich bin stolz und will zurück, doch jemand hat mich gesehen. Ein kleiner Junge rennt vor mir her und er will es anderen erzählen! Ich möchte ihn aufhalten, bekomme ihn zu packen, doch das kostet mich wertvolle Sekunden und schon haben die Sicherheitsleute das Leck entdeckt. Um den Schuldigen zu finden, foltern sie Unschuldige. Meine Mutter und mein Vater werden in einen Raum gesperrt, den ich direkt sehen kann, und der Sicherheitsmann steht vor mir und sagt laut und klar: "Hot - freeze", immer wieder, und man sieht wie drinnen Eis entsteht, dann glühende Hitze. Ich habe Angst um meine Mutter, sie hat manchmal Herzprobleme und Kreislaufkollaps ist dann nicht weit weg, aber ich darf mich nicht zu erkennen geben. Ich muss mit ansehen, wie sie darin hocken, ohnmächtig werden.
Dann wache ich auf. Endlich.
Wie ich so bin, versuche ich natürlich, den Traum positiv weiter zu träumen. Manchmal klappt das. Ich möchte dieses Bild von meinen Eltern in dem Raum nicht in Erinnerung behalten und träume, wir hätten es geschafft, durch meine Lücke zu entfliehen. Doch im Treppenhaus ist ein Irrweg nach dem anderen. Als ich wieder aufwache, sind zwar alle noch am Leben, mal davon abgesehen, dass mein Freund plötzlich nicht mehr Teil der Gruppe war, aber glücklicher bin ich auch nicht.
Ich kann das alles erinnern und wenn ich darüber nachdenke, steigen mir Tränen in die Augen. Solche Szenen kann ich dummerweise sehr lebendig wieder vor mein geistiges Auge führen... Das ist nicht zwangsweise immer gut, auch wenn es schöne Passagen gab - den Anfang zum Beispiel.
Mein Träume erstrecken sich über ein ziemlich großes Repertoire von Fallen, Weltuntergang, Verfolgungsjagd mit Tierverwandlungen, Träume im Traum, willentliche Beeinflussung des Traumverlaufs, das alles ist möglich. Obwohl ich nie wieder fliegen kann, wenn ich vorher den Gedankenstoß hatte, dass ich träume. Es ist einfach irreal, fliegen zu können, genauso wie sich verwandeln zu können, deswegen bleiben meist nur Splitter der vorherigen Eigenschaften. Leider bin ich mir immer bewusst, dass ich träume, sodass die irrealen Anteile was mich betrifft selten länger andauern. Dennoch ist es gut, zu wissen was man geträumt hat. Was wäre das für ein Tag, an dem man eine schreckliche Laune hat, aber nicht weiß, warum?
